Prostatakrebs, die häufigste Krebserkrankung des Mannes, verursacht erst sehr spät eindeutige Symptome. Bei einem Drittel aller Männer über 50 findet sich ein latentes Prostatakarzinom (kleine Herde von Krebszellen), das bei einem Teil der betroffenen Männer zu einer bedrohlichen Erkrankung führt. Wird diese Frühform erkannt, kann sie meist geheilt werden.

Ziel der Früherkennung des Prostatakarzinoms (PKa) ist, Männer mit einem aggressiven Tumor, die von einem raschen Therapiebeginn profitieren können, früh genug zu identifizieren und damit die Sterblichkeit aufgrund von Prostatakrebs zu senken. Eine einfache Methode der Früherkennung ist, so Univ.-Prof. Dr. Walter Stackl, Urologische Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien, die Konzentration des Tumormarkers PSA (Prostata-spezifisches Antigen) im Blut zu messen; dieser wird fast ausschließlich in der Prostata gebildet. Bei erhöhtem oder ansteigendem PSA-Wert steigt das Risiko, dass ein Prostatakarzinom vorliegt.
Eine neue europäische Studie mit mehr als 180.000 Teilnehmern zeigt, dass durch ein PSA-gestütztes Screening bei Männern zwischen 55 und 69 Jahren die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu versterben, signifikant nämlich um 28 Prozent reduziert wird.

Medikamentöse Therapie des Prostatakarzinoms
Das Prostatakarzinom ist der häufigste nicht-kutane maligne Tumor des Mannes und die zweithäufigste Krebstodesursache. Jährlich erkranken in Österreich über 5.000 Männer an diesem Tumor und über 1.100 versterben daran. Das Prostatakarzinom stellt somit ein relevantes Gesundheitsproblem dar, dies erklärt das große Interesse an Strategien, um diesen Tumor zu verhindern, erläutert Univ.-Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Abteilung für Urologie und Andrologie, Donauspital, Wien.

Die Entstehung eines Prostatakarzinoms ist nicht vollständig geklärt, drei Faktoren sind seit vielen Jahren jedoch unbestritten:

  • Alter: Das Prostatakarzinom tritt in der Regel in der zweiten Lebenshälfte auf;
  • genetische Faktoren: so ist eine familiäre Häufung gut dokumentiert, außerdem haben Afro-Amerikaner das weltweit höchste Risiko an einem PKa zu erkranken und
  • ein intakter Hormonhaushalt des männlichen Sexualhormons Testosteron: Männer, die vor der Pubertät kastriert wurden ( Eunuchen) erkranken nie an einem Prostatakarzinom; Männer, die an einem angeborenen Defekt der 5a-Reduktase leiden (Schlüsselenzym in der Testosteron-Synthese), entwickeln ebenfalls kein Prostatakarzinom und auch keine gutartig vergrößerte Prostata.

Diese zuletzt erwähnte Beobachtung war Ausgangspunkt für die Entwicklung von 5a-Reduktase Inhibitoren (5ARI) zur Behandlung der gutartig vergrößerten Prostata. Diese Präparate (Finasterid, Dutasterid) werden seit vielen Jahren für diese Indikation weltweit eingesetzt. Derzeit wird diskutiert, ob die Arzneimittel in den Risikogruppen (familiäres Risiko, hoher PSA-Wert mit negativer Biopsie) vorbeugend also als Chemoprävention eingesetzt werden sollten.

 

Prostataoperation: »Schlüsselloch-« versus herkömmlicher Methode
Univ. Prof. Dr. Nikolaus Schmeller, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie setzt sich kritisch mit einer neuen Operationsmethode zur Entfernung der Prostata auseinander. Standardtechnik ist derzeit die offene retropubische Operation, von einigen Operateuren wird jedoch die laparoskopische Entfernung (Schlüsselloch-Chirurgie) propagiert. Dr. Schmeller betonte, dass die laparoskopischen Ergebnisse denen der offenen Operationstechnik keineswegs überlegen seien. Teilweise ist die offene Operation deutlich besser: eine Nachbehandlung ist seltener erforderlich und die Harninkontinenz als unerwünschte Folgeerscheinung der Operation kommt seltener vor. Wissenschaftliche Vergleiche bestätigen die offene retropubische Operation als Standardtechnik. „Der entscheidende Faktor für einen Operationserfolg ist nicht die Technik, sondern der Operateur.“ so Prof. Schmeller.

 

Das Sexualleben der Österreicher: Nur 40 Prozent sind zufrieden
Nur vierzig Prozent der Teilnehmer an einer Online-Umfrage sind mit ihrem Sexualleben zufrieden. An der Umfrage haben mehr als 4.200 User aus ganz Österreich teilgenommen. Erwartungsgemäß haben demnach Männer in der Altersgruppe der 20 bis 30-jährigen am wenigsten Probleme. Danach steigt die Unzufriedenheit mit dem Alter. Von den Befragten über 60 Jahre ist jeder Dritte (34,4 Prozent) ausdrücklich unzufrieden.
Ein bedeutendes Problem ist in allen Altersgruppen vor allem der vorzeitige Samenerguss, an dem zwanzig Prozent der Befragten leiden. Ein zufriedenstellendes Sexualleben ist mit dieser Sexualfunktionsstörung des Mannes kaum möglich. Laut Umfrage war nur jeder Zehnte dennoch zufrieden.

Für den vorzeitigen Samenerguss gibt es eine klare Definition: 
1. Die Zeit bis zur Ejakulation nach dem Eindringen dauert weniger als eine Minute,
2. der Zeitpunkt des Samenergusses ist für den Mann nicht kontrollierbar,
3. der vorzeitige Samenerguss beeinträchtigt zumindest einen der beiden Partner

„Diese Umfrage bestätigt im Großen und Ganzen unsere Erfahrungen in der täglichen Praxis und deckt sich auch mit wissenschaftlichen internationalen Studien“, betont dazu der Wiener Urologe Dr. Karl Dorfinger. Darin wurde festgestellt, dass etwa 25 Prozent aller Männer an vorzeitigem Samenerguss leiden, etwa zwei Drittel hatten im Laufe ihres Lebens für einige Zeit damit zu tun.

40 Prozent der Betroffenen sind mit dem Problem allein
Verschärft wird dieses Problem noch durch die Tatsache, dass laut der Umfrage 40 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage mit niemandem, auch nicht mit der Partnerin, darüber sprechen.
Dabei wäre es ein großer Wunsch der Betroffenen, sich jemandem anzuvertrauen. Mehr als 60 Prozent der an vorzeitigem Samenerguss leidenden Befragten würden gemäß dieser Umfrage gerne mit einem urologischen Facharzt darüber sprechen.
Es sei daher wichtig, dass dieses Tabu aufgebrochen wird, fordert Dr. Dorfinger, der hier eine große Aufgabe für Österreichs Urologie sieht. „Die Medizin hat heute gute Möglichkeiten, bei vorzeitigem Samenerguss wirkungsvoll zu helfen. Seit wenigen Wochen ist in Österreich ein neues Medikament verfügbar, das die Dauer bis zum Samenerguss verdreifachen kann,“ so Dr. Dorfinger. Es gibt also gute Gründe, das Schweigen zu brechen und über diese beeinträchtigende Störung der Sexualfunktion zu sprechen.

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